In den letzten Jahren erfreut sich der Wildbienenschutz zunehmender Beliebtheit, und das Angebot an Bienenhotels in Baumärkten und Gartencentern ist kaum noch zu überblicken. Manche Gärten werden durch große, mit viel Liebe selbstgebaute Bienenhotel-Anlagen geschmückt. Aber oft genug finden sich keine oder nur wenige Bewohner ein! Woran kann es liegen?

(Osmia cornuta, w)
Nisthilfen für Wildbienen
Bienenhotels dienen nicht dem Schutz von Wildbienen (die finden in der intakten Natur immer eine Wohnung), sondern machen diese Gruppe der Insekten für uns anschaulich – und spannend ist die Beobachtung eines Bienenhotels allemal. Und wenn dies dazu führt, dass der Beobachter neben seinem Bienenhotel auch einen wildblumenreichen Garten einrichtet (denn was nützt die Wohnung, wenn es nichts zu essen gibt) und wenn er darüber hinaus auf den Chemie-Einsatz im Garten verzichtet, dann trägt das Bienenhotel indirekt sehr viel zum Schutz der Wildbienen bei.
Ein üppig bevölkertes Bienenhotel zeigt die Wildbienen-freundliche Hotelumgebung an.
Das größte Bienenhotel der Lehmkaul steht, vom Wanderweg aus gut sichtbar, im vorderen Bereich auf der rechten Seite. Es ist ausgestattet mit 7 Teilstücken des Treppenhandlaufs der alten Berndorfer Schule aus Buchenholz, gut abgeschliffen und mit Bohrungen zwischen 3 und 8 mm Durchmesser versehen. Daneben gibt es ein „Modul“ mit hohlen Stängeln (geschützt mit einem Metalgitter), zwei Stammstücke aus Pflaumenbaumholz und 3 Hartholz-Balkenstücke.
Ein kleines Bienenhaus, ausgestattet mit einem speziell hierfür hergestellten Ziegelstein (Bienenstein terracotta, zu beziehen über Wildbiene.com) wurde in der vorletzten Lichtung aufgestellt. Der gebrannte Ton sorgt dafür, dass Vögel sich nicht an den Bienenlarven bedienen, und gleichzeitig werden die Röhren in dem porösen Material belüftet, so dass sich kein Schimmel bilden kann.




Bei den Hummelnistkästen (Danke an Andreas Leif!)gilt ähnliches wie für die Bienenhotels, sie dienen der besseren Beobachtung der Hummeln. Bisher wurden unsere Hummelnistkästen noch nicht besiedelt, vielleicht kann das erweiterte Blütenangebot doch einige Hummeln dazu anregen, hier einzuziehen.
Pflanzenstängel
Während nur etwa 15 % der Wildbienenarten die waagerechten Bohrlöcher der Bienenhotels besiedeln, gibt es andere Arten, die ihren Nachwuchs ausschließlich in senkrecht stehenden, markhaltigen Pflanzenstängeln unterbringen.



Auch dies lässt sich gut beobachten, deshalb wurden trockene Stängel von Goldrute, Königskerze, Brombeere und Himbeere an Drähte gebunden, die zwischen alte, eigentlich schon entsorgte, aber dafür jetzt sehr nützliche Weidepfosten gespannt wurden. Innerhalb von wenigen Wochen wurden die Stängel besiedelt, was man daran erkennen kann, dass nahezu bei allen Stängeln das Mark gelöchert war. Tief im Stängel entwickelt sich jetzt Wildbienenbrut für das nächste Jahr.
Sandflächen
Eine weitere Gruppe von Wildbienen nistet auf sandigen, spärlich bewachsen Flächen im Boden. Im vorderen Lehmkaulbereich wurde 2020 und 2021 ein kleiner Sandhügel aufgeschüttet. Der Sand ist rötlich gefärbt, sehr lehmhaltig (und damit formstabil) und stammt von einem ganz in der Nähe befindlichen Fuchsbau. Was der Fuchs beim Gänge graben aus seinem Bau herausschaffte, wanderte postwendend zur Lehmkaul. Als ein Landwirt aus der Nachbarschaft einen ebensolchen roten Sand auf seinem Gelände verteilte, baten wir um ein paar Schubkarren. Prompt lag am nächsten Tag eine große Schaufelladung roter Sand vor der Lehmkaul. Vielen Dank dafür!

2023 folgte dann die Einrichtung einer großflächigen Sandfläche im hinteren Bereich der Lehmkaul (–> Projekte auf dem Gelände).
Ein weiterer, in der Natur immer seltener werdender Lebensraum für Wildbienen sind Steilwände aus Löß oder Lehm, wie sie z.B. bei Hangabbrüchen entstehen. Um auch diese Nistplätze anschaulich zu machen, wurde ein kleiner Bereich einer Trockenmauer mit einem Lehm-Sand Gemisch gefüllt. Nach dem Durchtrocknen wurden Gänge vorsichtig vorgebohrt, um Wildbienen anzulocken. Auch ohne Lehmsandfüllung sind Trockenmauern für Wildbienen attraktiv, in den Spalten und Höhlungen können einige Arten gut versteckt ihre Nester anlegen.
Viele Wildbienen benötigen für den Bau ihrer Nester feuchten Lehm, hier fand eine schon ausrangierte Teichwanne eine neue Bestimmung: sie wurde in den Felsengarten eingebaut und zur Hälfte t Lehmsand/Lehm gefüllt. So gibt es ein ständiges Angebot an feuchtem Lehm und zusätzlich ein kühles Naß für durstige Wespen, da die andere Hälfte der Wanne eine kleine Kuhle aus Kalksteinen enthält, wo sich Regenwasser sammeln kann.




