Lange hat man sich schwer damit getan, festzulegen, ob die Pilze nun zu den Pflanzen oder zu den Tieren gehören. Erst 1969 bekamen sie endlich die Anerkennung als eigenes Reich. Weltweit gibt es geschätzt 4 bis 5 Millionen Arten, eine ganze Reihe davon lassen sich in der Lehmkaul bewundern. Und wenn Pilze sich mit Pflanzen vereinigen, so entsteht eine neue Lebensform, die Flechten. Und die Schleimpilze, die gar keine Pilze sind, warten auch noch auf eine endgültige Position in der Systematik der Lebewesen.
Pilze
Die Lehmkaul bietet ein interessantes Spektrum an Pilzen, die von dem reichen Totholzvorkommen und der dauernden Feuchtigkeit in den baum- und buschbestandenen Bereichen profitieren. Noch steht eine fachkundige Bestimmung der Pilze in der Lehmkaul aus, einige leichter zu bestimmende Arten seien genannt:
Roter Becherling (seltene und nach Roter Liste gefährdete Pilzart, RL 3!), Judasohr, Kreiseldrüsling, Schopftintling, Gesäter Tintling, Schmetterlingstramete, Striegelige Tramete, Winter-Stielporling, Gemeiner Schmutzbecherling, Großer Scheidling, Weiden-Feuerschwamm, ……..; (a= Hut von oben , b= Hut von unten vom gleichen Pilz)





























Das Speisepilzvorkommen ist so gering, dass ein Sammeln absolut nicht lohnt, aber es bleibt die Freude an der Entdeckung und Betrachtung. Und natürlich haben die Pilze eine wichtige Funktion im Kreislauf der Natur. Dazu hier ein Zitat aus der NABU Seite „Wissenswertes über Pilze“ :
- Zusammen mit den Bakterien bilden Pilze die Zersetzerorganismen (Destruenten) im Stoffkreislauf unserer Ökosysteme. Sie bauen beispielsweise Holz, vertrocknete Blätter, Früchte, aber auch Horn und Fette ab. Dabei führen sie Stickstoffverbindungen und andere Stoffe in den Boden zurück, die dadurch Pflanzen und Tieren erneut zur Verfügung stehen. Diese „Recycling“-Aufgabe macht Pilze aus ökologischer Sicht zu den Ernährern des Waldes.
- Eine weitere Schlüsselrolle haben Pilze als Symbiosepartner. Besonders hervorzuheben sind Flechten als eine Lebensgemeinschaft mit Algen sowie die Mykorrhiza, übersetzt „Pilzwurzel“, als Partnerschaft zwischen Pilzen und Gefäßpflanzen. Die meisten unserer Bäume leben mit solchen Pilzen in Symbiose. Mykorrhizapilze umkleiden die Feinwurzeln des Baumes, sammeln Nährstoffe und leiten diese zusammen mit Wasser den Pflanzen zu. Im Gegenzug erhält der Pilz die zu seinem Leben erforderlichen Stoffe, also vor allem Zucker, Eiweiße und Vitamine.
Flechten
Auch wenn Pilze, Schleimpilze und Flechten zu unterschiedlichen biologischen Systemen gehören, seien an dieser Stelle die in der Lehmkaul gefundenen Flechten (Symbiose aus Pilzen und Algen) und Schleimpilze (Einzellige Lebewesen, keine Pilze) aufgeführt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Flechten und Schleimpilzen sind sehr spannend, für weitere Informationen siehe: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pilze-und-flechten/14125.html und https://de.wikipedia.org/wiki/Schleimpilze
Die folgenden Flechten aus der Lehmkaul können nach ihrem Aussehen in Bart-, Krusten-, Strauch- und Blattflechten unterteilt werden, die genauen Artbestimmungen bleiben Experten vorbehalten.








Schleimpilze
Bei den unten gezeigten Schleimpilzen handelt es sich vermutlich u.a. um den Blutmilchpilz (a-c, jeweils im Abstand von 24 Stunden aufgenommen) und um den Stäublings-Schleimpilz(d).





Haareis
Ein seltenes, 2025 in der Lehmkaul beobachtetes Phänomen ist die Bildung von haarfeinen Eiskristallen an Totholz. Voraussetzung für die Bildung von Haareis ist die Durchsetzung von feuchtem Totholz mit einem Pilzgeflecht, welches durch seinen Stoffwechsel Gase produziert, die Wasser aus dem Holz nach draußen drücken. Wenn es nicht viel kälter als 0 Grad ist und die Luftfeuchtigkeit hoch ist, kann das Wasser dabei zu sehr langen Eisfäden gefrieren, und man kann bizarre Eisgebilde bewundern, die auch Eiswolle oder Engelshaar genannt werden.

