Wenn in einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegend die heimische Fauna und Flora überleben soll, müssen Flächen erhalten bleiben (oder geschaffen werden), die Rückzugsorte für die Natur sind. Je enger diese Orte miteinander verbunden sind, desto besser für die Erhaltung der Arten.
Prof. Peter Berthold, einer der bekanntesten Vogelkundler Deutschlands, entwickelte gegen Ende der 1980er Jahre die Idee, dass jede Gemeinde in Deutschland eine (für die Landwirtschaft wenig ergiebige Fläche) zur Verfügung stellen soll, wo ein Rückzugsgebiet für die heimische Fauna und Flora von Menschenhand geschaffen werden kann. Auslöser waren die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, die zeigten, dass in den letzten Jahrzehnten in Deutschland ein dramatischen Artenrückgang stattgefunden hat, sowohl bei Tieren als auch bei Pflanzen. Unter dem Wissen, dass sich die äußeren Ursachen hierfür nicht von heute auf morgen ändern lassen, entwickelte er den Plan, dass durch Anlage von Teichen oder Tümpeln, extensiv genutzten Weiden, Streuobstwiesen, Hecken usw. ein Rückzugsort für die Natur geschaffen werden soll, wo die Arten überleben können, bis sich die Bedingungen allgemein für die Natur wieder verbessern und eine Wiederbesiedelung der Landschaft aus diesen von Menschenhand geschaffenen Biotopen stattfinden kann. Dass diese Idee, eine „Arche Noah“ für die Natur zu schaffen, funktioniert, konnte Prof. Berthold in Pilotprojekten am Bodensee nachweisen. Seit 2016 arbeitet er zusammen mit der Heinz-Sielmann-Stiftung an dem Projekt „Jeder Gemeinde ihr Biotop“ mit dem Ziel, eine solche Oase in jeder der rund 11000 Gemeinden Deutschlands zu schaffen. In einem so entstandenen Biotopverbund, wo die einzelnen Biotope nicht mehr als 10 km auseinanderliegen, kann ein Austausch zwischen den Flächen stattfinden, was eine Voraussetzung für die Erhaltung der genetische Vielfalt der Arten darstellt (mehr unter https://www.mpg.de/biotopverbund-deutschland)
Die Berndorfer Lehmkaul erfüllt alle Kriterien, die an das Projekt gestellt werden, zumal die Lehmkaul sehr gut mit Biotopen in der Umgebung verbunden ist.
Biotope im Umkreis


In weniger als 200 m Entfernung befindet sich die NABU-Streuobstwiese, eine mit über 60 Obstbäumen bepflanzte Wiese von 1,2 ha Größe, die nur 1 x im Jahr gemäht wird und wo keine Chemie zum Einsatz kommt. Auch weitere, privat betreute Streuobstwiesen liegen in Sichtweite zur Lehmkaul. Ebenfalls nicht mehr als 200 m entfernt liegt die Fläche um den Langen Stein. Hier findet man eine bizarre Steinformation inmitten von alten Feldahornbäumen und Gebüschen.
Ein neues Biotop entsteht (direkt neben der Lehmkaul):

Die 0,5 ha große gemeindeeigene Wiese neben der Lehmkaul wurde bis 2024 intensiv landwirtschaftlich genutzt. Zwei bis 3 Düngungen mit Gülle und 4 Mahten pro Jahr hatten dafür gesorgt, dass eine artenarme Wiese entstanden war, die nur wenige blühende Kräuter aufwies, und im September hüpfte kaum eine Heuschrecke mehr zur Seite, wenn mann darüber ging. 2025 wurde von der Gemeinde beschlossen, sie durch Verringerung der Mahthäufigkeit und Beendigung der regelmäßigen Düngung nach und nach wieder in eine artenreiche Fettwiese zu verwandeln.

Um diesen Vorgang zu beschleunigen, legte die Umweltgruppe Berndorf einen umlaufenden Blühstreifen an, Mitte Mai 2025 war der Streifen mit einer Kreiselegge bodenschonend vom dichten Gras befreit worden (Danke an Landwirt Friedhelm Schmitz aus Mirbach), Ende Mai und Anfang Juni wurde nach Entfernen der Mulchschicht mit heimischem Saatgut (Fa. Rieger und Hofmann) eingesäht. Und schon im Juli zeigten sich die ersten Blüten. Bis in den späten Herbst waren von da an ständig blühende Pflanzen auf den bearbeiteten Flächen zu sehen. Wildbienen, Schmetterlinge und Heuschrecken freuen sich über ein neues Zuhause!


